Narrow Sea
Musik von Erik Griswold, Caroline Shaw, Matt Ulery & Hector Rufaro Mugani
mit der Black Forest Percussion Group
Narrow Sea bringt ein tiefes menschliches Bedürfnis zum Ausdruck: die Suche nach einer Heimat, einem Ort der Sicherheit und Ankunft. Dieses Verlangen – oft durch Sehnsucht, Hoffnung und Angst begleitet – zieht sich eindringlich durch die Klangwelten dieses Programms.
Freiburg
Freitag, 14.11.2025, 20 Uhr
Elisabeth-Schneider-Stiftung, Wilhelmstr. 17a, 79098 Freiburg
Eintritt frei. Spenden sind willkommen.
Waldkirch
Samstag, 15.11.2025, 19 Uhr
Musikschule, Merklinstr. 19, 79183 Waldkirch
Eintritt frei. Spenden sind willkommen.
Caroline Shaw, Narrow Sea (2017)
– For all humans seeking safe refuge –
Für Sopran & 5 Spieler:innen (Marimba, Vibraphon, 2 Suitcase Kits, Piano)
Narrow Sea fokussiert die Sehnsucht nach einem sicheren Ruheplatz. Das Gefühl der Hoffnung auf ein endgültiges Ankommen wird musikalisch erfahrbar. Shaws Widmung an Menschen, die „eine sichere Zuflucht suchen“, verbindet die emotionale Essenz des Werkes mit dem universellen Streben nach einem Zuhause in einer oft unsicheren Welt.
Die Texte stammen aus amerikanischen Kirchenliedern der Sacred Harp Collection und beziehen sich einerseits auf das Wasser als Übergang zwischen zwei Welten. Andererseits wird dieses Verlagen durch den Himmel als metaphorisches Zuhause unterstrichen.
There everlasting spring abides,
The Sacred Harp, collection of shape note songs
and never withering flowers
Death, like a narrow sea, divides
This heavenly land from ours
Erik Griswold, Fear (2007)
Fear thematisiert Heimat nicht auf den ersten Blick. Die erzeugte „ängstliche Spannung“ kann jedoch als Ausdruck eines inneren Unbehagens interpretiert werden, eines Zustands des Nicht-Ankommens im eigenen Selbst.
Die repetitiven und scharfen Klänge der Gongs und Becken erzeugen eine Atmosphäre der Instabilität, die dem Gefühl der Heimatlosigkeit ähneln kann – ein Zustand ohne innere Orientierung.
Matt Ulery, Emigre and exile (2019)
Original für 6 Berimbau & Kontrabass. Arrangement von Lee Ferguson für 4 Spieler:innen (MalletKat, Marimba, Vibraphon, Keyboard & Piano)
- Mother Harp
- Tongues
- Bottomless
- Ephemeral stream
- Heart in fist
- The only thing you can do ist jump
Emigre and Exile behandelt die Suche nach Heimat auf einer direkteren Ebene. Die ersten beiden Sätze „Mother Harp“ und „Tongues“ verweisen auf eine musikalische Reise, die den afro-brasilianischen Musikbogen (Berimbau) zu seinen afrikanischen Wurzeln zurückverfolgt.
Die Orientierung an den Ursprüngen kann als tiefes Verlangen nach einer verlorenen Heimat interpretiert werden, einem sicheren Anker in der Vergangenheit. Die rhythmischen Wendungen in „Tongues“ spiegeln die Emotionalität wider, die mit dem Ringen um Identität einhergeht.
“When I first spoke with Arcomusical Artistic Director Gregory Beyer about the possibility to collaborate on Emigre and Exile, I was in Portugal, “the land of the colonizers,” in residence at a jazz festival. Some abstract ideas soon began dancing in my mind: “singing stories,” “always rhythmic, always moving” and “here’s what happens when cultures collide.” During the relatively short compositional process, I focused closely on my impression of the sound and timbre of the berimbau. Once I “cracked a code” to write for Arcomusical’s brand new form of new chamber music, the music that flooded me, mostly rhythmically speaking, surfaced as dance music that I could only explain as being deeply rooted in African musical aesthetics, based on my experience as an open musician. It got me thinking about the ways folk musics are able to develop through the migration of people and cultures. Can a musician choose to “live” in another culture to be artistically expressive? Where and how did these cultures develop without the groups of people leaving the place they grew up learning music/lifestyle? Most importantly, I appreciate the traditions of the berimbau in African and Afro-Brazilian culture and now in contemporary chamber music. I’ve called upon some of these traditions in writing this piece and I want to express my sincere respect for the instrument and what it means to cultural traditions that have developed before me. I don’t know the half of it, to say the least. I hope that this piece can bring joy in any way to this troubled world.” – Matt Ulery
Hector Rufaro Mugani
Hurukuro Na Nyamasase (Conversation with Nyamasase)
Arrangement für 4 Spieler:innen (Midi MalletKat, Vibraphone, Marimba, Piano)
Nyamasase bedeutet so viel wie „die Leuchtende“, „der Stern, der die Sonne bringt“ oder auch Morgenstern. In der Musik entfaltet sich ein Gespräch zwischen Vater und Tochter, die sich lange nicht gesehen haben. Über Raum und Zeit hinweg fühlen sich beide durch eine Art astronomische Telepathie verbunden und durchleben den Wunsch nach Nähe und Wiedervereinigung. Sie teilen die Freude und die Trauer des jeweils anderen über die meilenweite Distanz.
Das Lied wird auf einer A-Nyamaropa-Skala gespielt, die der westlichen A-mixolydischen Skala entspricht. Es basiert auf einer traditionellen Shona Mbira Musik Akkordfolge und ist zyklisch aufgebaut. Vier Phrasen werden im gesamten Lied wiederholt. Ähnlich wie im Jazz oder Blues bilden diese vier Phrasen das Thema, auf dem der Künstler aufbauen und anschließend improvisieren kann.

Mbira ist eine Familie von Musikinstrumenten, die in ganz Afrika verbreitet ist. Sie bestehen aus Metall- oder Schilfrohrstreifen, die an einem Holzbrett befestigt sind. Die Instrumente dieser Familie werden in der Regel mit den Daumen, in einigen Fällen aber auch mit den Zeigefingern gespielt. Die Mbira ist seit über 3000 Jahren Teil der Bantu-Kultur. Artefakte und Überreste der Mbira finden sich entlang der drei Hauptmigrationsrouten der Bantu. Archäologische Beweise zeigen, dass das älteste in Ghana gefundene Mbira-Artefakt aus Schilf gefertigte Tasten hatte. Weitere Belege deuten darauf hin, dass die Mbira vor etwa 1500 in der Region des Sambesi-Ausflusses von Schilf- auf Metallklappen umgestellt wurde. Die Mbira ist auf dem Hochplateau von Simbabwe harmonisch und melodisch weiter entwickelt worden.